100. Aachener Hospizgespräch: Vernetzte Sorgekultur am Ende des Lebens

In den letzten Jahren hat die Palliativ- und Hospizversorgung bundespolitisch einen großen Aufschwung erlebt. Daran waren die Aachener Hospizgespräche und ihre Teilnehmer maßgeblich beteiligt, denn mit ihrer kontinuierlichen Arbeit haben sie immer wieder wichtige Impulse gesetzt.

So war es kein Wunder, dass anlässlich des 100. Aachener Hospizgesprächs am 30. und 31. Januar 2015 auch die Bundespolitik hochrangig und in reicher Zahl vertreten war.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe nahm sich ausführlich Zeit für den Austausch mit den mehr als 350 Teilnehmern und gab Einblicke in die aktuelle parlamentarische Diskussion um einen Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland. Er wünsche sich, so der Minister, dass die Potentiale der Region Aachen schon bald überall in Deutschland den schwerstkranken und sterbenden Patienten zur Verfügung gestellt werden könnten.

Dabei könne und dürfe es nicht um „Lösungen von der Stange“ gehen. „Hierfür ist eine würdige Pflege und die entsprechende Aufwertung des Berufsbildes eine wichtige Voraussetzung“, so Gröhe. Insgesamt stellte der Minister die Arbeit an einer menschenwürdigen Sorgekultur jedoch auch in einen größeren gesellschaftlichen Kontext: „Unsere Gesellschaft steht angesichts des demographischen Wandels auf dem Prüfstand, ob sie Generationengerechtigkeit auch dann praktiziert, wenn sie nicht mehr durch unmittelbarer verwandtschaftliche Beziehungen gelebt werden kann“, so der Minister, der den Teilnehmern versprach, dass die Koalition im Bund sich mit ihrer Politik dafür einsetzen werde, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein und stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag, forderte dazu auf, auch der Koordination der verschiedenen Versorgungspartner einen verlässlichen Vergütungsanteil zur Verfügung zu stelen. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur das Zähl- und Messbare finanzieren“, so der Aachener Arzt. Kaum standardisierbare Aufgaben der Zuwendung und des Gesprächs ließen sich über Fallpauschalen schlecht abbilden und erforderten einen eigenen Weg der Vorhaltefinanzierung für Krankenhäuser. „Insgesamt“, so die Überzeugung des gelernten Arztes, „können und sollten alle Bereiche des Krankenhauses von einer palliativen, beziehungsorientierten Haltung lernen.“

Veronika Schönhofer-Nellessen, Leiterin der Servicestelle Hospiz für die StädteRegion Aachen und damit hauptverantwortliche Veranstalterin der Aachener Hospizgespräche, wer-tet das 100. Aachener Hospizgespräch abschließend als wichtigen Erfolg für die Hospiz- und Palliativbewegung: „Mit unserem Kernthema der ‚Vernetzten Sorgekultur’ haben wir ein zentrales Thema für die aktuellen Entwicklungen in den Mittelpunkt gestellt. Es müssen jetzt Strukturen wie z.B. Koordinationsstellen geschaffen werden, die nach dem Aufbau des rechtlichen Rahmens zur Palliativversorgung Nachhaltigkeit und Kontinuität vernetzter Versor-gung in den Fokus rücken. Hier werden zukünftig auch Kommunen mit in die Verantwortung für eine funktionierende und angemessene Hospiz- und Palliativversorgung eingebunden. Aachen kann hier als ein Modell dienen, wie eine solche gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen gestaltet werden kann.“

Der bundesweite Kongress mit bis zu 400 Teilnehmern zu aktuellen Themen der hospizlichen wie palliativen Versorgung mit ca. 40 Experten aus Politik, Kassenwesen, Medizin, Pflege, Ehrenamt, Seelsorge und Wissenschaft findet seit 2006 einmal jährlich im Rahmen der Aachener Hospizgespräche statt. Die organisierende Servicestelle Hospiz für die Städte-Region Aachen wurde aus den Aachener Hospizgesprächen heraus ins Leben gerufen, um die Koordination der Hospizgespräche und des Netzwerkes zu übernehmen, Fortbildungen anzubieten, die Öffentlichkeitsarbeit weiterzuentwickeln und am Hospiztelefon zu beraten. Unterstützt wird der bundesweite Kongress von der Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen und der Grünenthal GmbH.

Voraussichtlich ab Ende März können Sie auf www.grunenthal.de einen ausführlichen Berichtsband des Jubiläumskongresses als PDF-Datei abrufen.