‚Die Woche für das Leben‘ im Zeichen der Suizidprävention

Was eint uns Menschen mehr als alles andere? Wir sind sterblich. Trotzdem fällt es uns schwer, vom Tod zu sprechen. Noch schwieriger ist es, über Selbsttötungen zu sprechen. Sie wecken Betroffenheit, und wir stellen uns zwangsläufig die Frage: Wie konnte es so weit kommen?
Rund 10.000 Menschen scheiden in Deutschland jährlich durch einen Suizid aus dem Leben, schätzungsweise 100.000 Menschen versuchen, sich das Leben zu nehmen. Lassen Sie uns offen über die Gründe diskutieren und darüber, wie wir als Gesellschaft und Politik diejenigen unter uns erreichen können, die sich in einer derartigen Notlage befinden, aus der es für sie keinen Ausweg zu geben scheint. Tabus sollten wir uns dabei nicht auferlegen. 

Beratungsangebote im Mittelpunkt

Seit 21 Jahren veranstalten die katholische und die evangelische Kirche gemeinsam die ‚Woche für das Leben‘, so auch derzeit wieder. In diesem Jahr haben sie das Motto gewählt: „Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern.“ Im Zentrum stehen dabei die vielfältigen Beratungsangebote der Kirchen – insbesondere die Telefonseelsorge. Die Öffentlichkeit soll auf diese Weise weiter für das Thema sensibilisiert werden und die bestehenden Beratungsangebote sollen bekannter gemacht werden.

Phasen der Selbstfindung als kritische Zeiten

Die Gründe dafür, dass jemand auf Suizidgedanken kommt, sind höchst unterschiedlich. Oft haben sie mit den individuellen Lebensumständen zu tun. Dennoch lassen die Statistiken darauf schließen, dass besonders in Phasen der Selbstfindung ein erhöhtes Risiko besteht: In der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen stellt der Suizid eine der häufigsten Todesursachen dar. Junge Menschen auf der Suche nach ihrer Identität und nach Anerkennung sind oft mit großen Selbstzweifeln konfrontiert. Auch der Wechsel von der Berufstätigkeit in den Ruhestand scheint für viele Menschen mit der Frage verbunden zu sein, welcher Platz und welche Rolle für sie in der Gesellschaft bleibt, welche Anerkennung und welches Selbstwertgefühl mit der neuen Situation verbunden sind.

Als Gesellschaft müssen wir uns diesen Belastungsmustern stellen. Einerseits brauchen wir ein soziales Klima, in dem jeder Mensch die Wertschätzung erhält, die ihm zusteht. Unabhängig von seiner wie auch immer gearteten Leistung für die Allgemeinheit hat jeder Einzelne einen Anspruch auf uneingeschränkten Respekt und auf Würde – das ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit.

Hilfsangebote in frühen Stadien

Nach wie vor werden Menschen mit psychischen Erkrankungen stigmatisiert. Selbst in ihrem engsten sozialen Umfeld wird aus Gründen der Scham oft nicht offen darüber gesprochen. Diesen Umstand müssen wir überwinden, indem wir offen und aktiv auf Betroffene zugehen, Bereitschaft zum Zuhören signalisieren, Hilfeleistungen und professionelle Behandlung anbieten. In jeder Lebensphase und jeder Gesellschaftsschicht können psychische Belastungen auftreten. Fehlt es an Resilienz, also individueller Widerstandsfähigkeit, können daraus Depressionen entstehen. Je früher Depressionen erkannt werden und je eher Hilfe angeboten und in Anspruch genommen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sie wieder zu überwinden. Aufgabe der Politik ist die Förderung von möglichst niedrigschwelligen Angeboten und die Würdigung der unverzichtbaren ehrenamtlichen Hilfe sowie des kirchlichen Engagements.

Dieser Beitrag ist erschienen auf dem Blog der CDU/CSU-Bundestagsfraktion