Vorgeburtliche Bluttests: Angehörige von Kindern mit Behinderung frühzeitig stützen und entlasten

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 19. September 2019 beschlossen, nicht-​invasive molekulargenetische Tests (NIPT) zur Untersuchung auf Trisomien in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Nach einem dreijährigen Bewertungsverfahren kam der G-BA zu dem Schluss, dass die 2012 zugelassenen Bluttests in begründeten Einzelfällen und nach ärztlicher Beratung der bisherigen invasiven Untersuchung mit entsprechenden Risiken vorzuziehen seien. Die Inanspruchnahme für gesetzlich Versicherte wird voraussichtlich ab Ende 2020 möglich sein, wenn der G-BA die verpflichtend vorgesehene Versicherteninformation beschlossen hat. Seit dem 17. Oktober 2019 gibt es in Deutschland zudem einen pränatalen Bluttest, der das mütterliche Blut ab der 11. Schwangerschaftswoche auf die Einzelgenerkrankungen Mukoviszidose, spinale Muskelatrophie, die Sichelzellkrankheit und Thalassämien überprüft.

Vor diesem Hintergrund hat die Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Oktober 2019 ein Positionspapier zu den Rahmenbedingungen und Folgefragen von vorgeburtlichen genetischen Bluttests beschlossen. Unter dem Titel „Angehörige von Kindern mit Behinderung frühzeitig stützen und entlasten“ knüpft es an die fraktionsübergreifende Orientierungsdebatte des Deutschen Bundestages vom 11. April 2019 an. Neben einer frühzeitigen qualifizierten Beratung betont die Arbeitsgruppe Gesundheit darin, dass Familien mit einem Kind mit Behinderung mehr soziale Anerkennung und bessere Pflegebedingungen benötigen.

Rudolf Henke: „Die sehr engen Vorgaben des G-BA machen deutlich, dass nicht-invasive Pränataltests erst nach einer sorgfältigen ärztlichen Aufklärung und ausschließlich in begründeten Einzelfällen erfolgen dürfen – und keinesfalls als Routinetest. Das Recht auf Nichtwissen der Schwangeren bleibt unangetastet. Wir müssen die ethischen Grundsatzfragen zeitnah erneut und fraktionsoffen im Deutschen Bundestag diskutieren. Für mich steht grundsätzlich fest: Jedes menschliche Leben ist lebenswert und hat durch das Grundgesetz ein verbrieftes Recht auf unantastbare Würde. Ethisch hat jeder Mensch einen natürlichen Anspruch, gewollt und willkommen zu sein.“