Brief an Bundesministerin Hendricks: Untersuchungsergebnisse zu Tihange und Doel überprüfen!

CDU-Bundestagsabgeordnete fordern Überprüfung belgischer Untersuchungsergebnisse zu Pannen-Reaktoren - Abgeordnete nehmen an der Menschenkette von Tihange nach Aachen teil.

 

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

wie wir einer Pressemitteilung der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC (Federaal Agentschap voor Nucleaire Controle) entnehmen konnten, wurden zwischenzeitlich neuerliche Ultraschalluntersuchungen in den Wandungen des Reaktordruckbehälters des Reaktorblocks Tihange 2 durchgeführt. Im Ergebnis wurden keine betriebsbedingten Veränderungen der Wasserstoffflocken festgestellt, weder in der Anzahl noch in der Größe. Die belgische Atomaufsichtsbehörde schließt hieraus, dass es sich bei den Wasserstoffeinschlüssen, den sog. Anzeigen, aller Voraussicht nach um Veränderungen handele, die bei der Produktion des Reaktordruckbehälters entstanden seien. Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse bewertet die FANC das Wiederanfahren des Reaktors Tihange 2 als nicht problematisch. Die belgische Regierung sieht die Betriebssicherheit der Anlage Tihange 2 offensichtlich ebenso wie die der Anlage Doel 3, für die bereits im Dezember 2016 gleiche Untersuchungsergebnisse veröffentlicht wurden, als gegeben an.

Bei den beiden Anlagen Tihange und Doel handelt es sich, wie Sie wissen, um grenznahe Kernkraftwerke. Ein Super-GAU hätte nach einer wissenschaftlichen Studie der Universität für Bodenkultur Wien aus dem Jahr 2011 bei ungünstiger Wetterlage schwerwiegende Auswirkungen auf die umliegenden deutschen Kommunen. Als Bundestagsabgeordnete der betroffenen Regionen Aachen, Düren, Heinsberg und Euskirchen ist uns daher im Interesse der dort lebenden Bewohner sehr daran gelegen, dass deutsche Reaktorsicherheitsexperten die von der FANC veröffentlichten aktuellen Untersuchungsergebnisse umgehend eigenständig prüfen. Wir erwarten, dass die eingesetzte deutsch-belgische Nuklearkommission, die in zwei Wochen tagen wird, dies ganz oben auf ihre Agenda setzt.

Angesichts der Schwere der möglichen Folgen für die Bürgerinnen und Bürger der angrenzenden deutschen Kommunen insbesondere am Standort Tihange sollte diese Frage vordringlich geklärt werden. Wir bitten Sie hierzu, Frau Bundesministerin, in die deutsch-belgische Nuklearkommission auch entsprechende deutsche Sicherheitsexperten zu entsenden und diesen einen Prüfauftrag im Hinblick auf die neuesten Untersuchungsergebnisse der belgischen Regierung zu erteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Brandt MdB, Rudolf Henke MdB, Thomas Rachel MdB, Wilfried Oellers MdB, Detlef Seif MdB