Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART) 2020

Antibiotika sind seit der Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928 zu einem der wichtigsten Instrumente in der Behandlung von Infektionskrankheiten geworden. Weltweit zunehmende Antibiotika-Resistenzen sind daher ein ernst zu nehmendes Problem. Vor diesem Hintergrund hat das Bundeskabinett die "Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie 2020" beschlossen.

Antibiotika sind seit der Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928 zu einem der wichtigsten Instrumente in der Behandlung von Infektionskrankheiten geworden. Weltweit zunehmende Antibiotika-Resistenzen sind daher ein ernst zu nehmendes Problem. Sie führen dazu, dass bakterielle Infektionen schwerer, im schlimmsten Fall gar nicht mehr behandelbar sind, weil Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren.

Krankheiten, die gut heilbar sind, können dann zu schweren Gesundheitsschäden – möglicherweise sogar zum Tod – führen. Insgesamt haben zunehmende Antibiotika-Resistenzen ernsthafte Folgen nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere und die Volkswirtschaft insgesamt.
 
Vor diesem Hintergrund hat das Bundeskabinett in der vergangenen Woche die "Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie 2020 (DART 2020)" beschlossen. Zugleich wird die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Rahmen ihrer World Health Assembly in Genf in dieser Woche den sogenannten "Global Action Plan" zu Antibiotika-Resistenzen verabschieden. Deutschland geht hier mit der "DART 2020" voran. Dies unterstreicht auch der Besuch unserer Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 18. Mai 2015 in Genf.
 

Bereits im Jahr 2008 haben das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam die erste Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART) entwickelt und umgesetzt. Erste Erfolge waren dabei bereits zu verzeichnen, wie etwas der Rückgang der Infektionen mit MRSA (Methicillin-resistenter (Staphylococcus aureus) beim Menschen von mehr als 20 Prozent in 2010 auf 12,8 Prozent in 2013.

 
Mit der "DART 2020" verstärken wir nun die bisherigen Ansätze, setzen aber auch neue Schwerpunkte, die gemeinsam mit den relevanten Beteiligten entwickelt wurden. Gezielte Maßnahmen setzen im Human- und Veterinärbereich sowie bei der Forschung an:

- Kennzeichnend für die "DART 2020" ist der sogenannte "One-Health Ansatz": Tiere und Menschen werden oft von den gleichen Krankheitserregern infiziert und mit den gleichen Antibiotika behandelt. Nur mit einem sektorübergreifenden Ansatz kann deshalb die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen erfolgreich eingedämmt werden. In der "DART 2020" sind dazu konkrete Maßnahmen enthalten. Beispielsweise werden wir noch in diesem Jahr gemeinsam die Forschungsvereinbarung zu Zoonosen erneuern.

- Daneben ist der Ausbau von Überwachungssystemen zum Einsatz von Antibiotika und zum Auftreten von Resistenzen festgeschrieben. Diese Daten werden benötigt, um Grundlagen für neue gezielte Handlungsoptionen zu entwickeln, Therapieoptionen zu erhalten und Neuinfektionen zu vermeiden. Krankenhäuser sind durch eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes verpflichtet, Daten zu Art und Umfang des Antibiotika-Verbrauchs aufzuzeichnen und zu bewerten. Zudem wurden die Länder verpflichtet, Krankenhaus-Hygieneverordnungen zu erlassen, die Maßnahmen gegen Krankheitserreger mit Resistenzen beinhalten. Für die Etablierung und Einhaltung von Hygienestandards ist qualifiziertes Personal entscheidend. Durch ein Hygiene-Förderprogramm werden Krankenhäuser bis 2016 dabei unterstützt, notwendige Fachleute einzustellen sowie Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte auf dem Gebiet der Hygiene weiterzubilden und so die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen.

- Im Bereich Veterinärmedizin/Landwirtschaft wurde mit der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes ein innovatives Antibiotika-Minimierungskonzept für Nutztiere eingeführt. Ziel ist, bei überdurchschnittlicher Therapiehäufigkeit durch angemessene Maßnahmen für eine bessere Tiergesundheit zu sorgen, um so tierschutzgerecht den Antibiotika-Einsatz senken zu können. Darüber hinaus wurden im Arzneimittel-gesetz Ermächtigungen für weitere Regulierungen des Antibiotika-Einsatzes bei Tieren geschaffen.

- Intensive Forschung zu Diagnostik, Behandlungsmethoden und die gezielte Forschung und Entwicklung spezieller Antibiotika sind erforderlich, um der Resistenzspirale entgegenzuwirken. Die "DART 2020" trifft dazu klare Aussagen. Mit der Einrichtung der "Task Force Antibiotika-Forschung" gehen wir Probleme im Bereich der Entwicklung neuer Antibiotika und alternativer Behandlungsmethoden an. Wir haben im Blick, dass die Forschungsanstrengungen in allen Bereichen – von der Grundlagen-Forschung über die klinische Forschung, Forschung zu Public-Health-Fragen bis hin zur Forschung in Zusammenarbeit mit der Gesundheits- und Lebensmittelwirtschaft – intensiviert werden müssen.

- Notwendig ist es, den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen global führen. Nur ein international abge-stimmtes Vorgehen wird Erfolg versprechend sein. Die WHO wird diese Woche den sogenannten "Global Action Plan" zu Antibiotika-Resistenzen verabschieden. Deutschland geht hier mit der "DART 2020" voran und bringt die hohe Bedeutung zum Ausdruck, die die Bundesregierung der Eindämmung von Antibiotika-Resistenzen beimisst. Unter deutscher G7-Präsidentschaft sind Antibiotika-Resistenzen ein zentrales Gesundheitsthema. Dabei werden wir insbesondere die Förderung des sachgerechten Antibiotika-Einsatzes und die Entwicklung neuer Antibiotika und alternativer Therapieoptionen angehen.