Menschen stärken Menschen- Neues Patenschaftsprogramm initiiert

Im Jahr 2015 sind ca. 1,1 Mio. geflüchtete Menschen nach Deutschland gekommen, darunter rund 60.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Daher hat das Bundesfamilienministerium das Programm „Menschen stärken Menschen“ initiiert.

Eine wichtige Aufgabe in Zukunft wird es sein, dass wir die Flüchtlinge, die bei uns Zuflucht suchen, schützen und in unsere Gesellschaft auf Basis unserer gesellschaftlichen Werte integrieren. Für eine gelingende Integration der Zuwanderinnen und Zuwanderer stellt das bürgerschaftliche Engagement in seiner gesamten Vielfalt einen wichtigen Baustein.

Daher hat das Bundesfamilienministerium das Programm „Menschen stärken Menschen“ initiiert. Hiermit werden Patenschaften zwischen geflüchteten und hier lebenden Menschen gestiftet und darüber hinaus für die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge neben Patinnen und Paten auch Gastfamilien und Vormundschaften gewonnen.

Bereits heute gibt es eine große Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern, die sich bereits engagieren oder die die Bereitschaft haben, sich persönlich einzubringen. Und auch nur durch diese große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung kann das Programm „Menschen stärken Menschen" zu einem Erfolg werden.

Mit dem Patenschaftsprogramm als eine Säule des Programms „Menschen stärken Menschen" sollen mindestens 25.000 neue Patenschafts-Tandems im Jahr 2016 initiiert werden. Die Programmmittel in Höhe von 10 Mio. € kommen dem Aufbau, der Qualifizierung und Begleitung dieser Tandems zu gute. Das Programm fördert überwiegend Programmträger, die die Engagementinfrastruktur auf lokaler Ebene durch finanzielle Mittel oder Expertise unterstützen.

Programmträger sind u.a. die freien Wohlfahrtsverbände, muslimische Verbände, Migranten-organisationen, der Stiftungssektor und weitere Akteure der Zivilgesellschaft, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen oder auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros.

Das Patenschaftsprogramm soll für die vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern gute Rahmenbedingungen fördern und zugleich den zu uns geflüchteten Familien, Frauen, Männer und Kinder durch persönlichen, auf ihren individuellen Bedarf ausgerichteten Kontakt die Alltagsintegration erleichtern. Dies ermöglicht die Vielfalt an denkbaren Patenschaften, die von niedrigschwelliger Alltagsbegleitung, über Freizeitgestaltung, Hausaufgabenbetreuung bis hin zu hochwertigen Bildungsmentorenschaften zur Sicherung von Schulabschlüssen reichen können.

Eine weitere Säule des Programms ist das Projekt zur Gewinnung von Gastfamilien und Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kommen, benötigen besonderen Schutz und besondere Unterstützung auf dem Weg in unsere Gesellschaft. Viele von ihnen haben in ihren Heimatländern und auf der Flucht Leid, Schrecken und Grausamkeiten erlebt, die sich unserer Vorstellungskraft entziehen.

Die Aufnahme in einer Gastfamilie kann für junge Flüchtlinge eine wichtige Perspektive für ihre Integration, ihren Spracherwerb und ihre Bedürfnisse sein. Wichtig ist dabei, dass die Gastfamilien gut darüber informiert sind, was mit der Aufnahme eines jungen Flüchtlings verbunden ist.

Mit dem Projekt sollen insbesondere auch die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe qualifiziert werden, damit diese die Familien professionell auf ihre Aufgaben vorbereiten und begleiten können. In einem vorbereitenden Projekt wurden bereits Curricula für die Schulungen von Fachkräften und Gastfamilien entwickelt. Dadurch ist bekannt, dass viele Menschen auch bereit sind, Verantwortung für junge Flüchtlinge zu übernehmen. Gastfamilien bieten den jungen Menschen ein neues Zuhause, sie begleiten und unterstützen sie, sind aber grundsätzlich nicht ihre rechtlichen Vertreter.

Für alle minderjährigen Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Deutschland einreisen, müssen rechtliche Vertreter, die sogenannten Vormünder, bestellt werden. In der Praxis übernimmt das Jugendamt die rechtliche Vertretung (Amtsvormundschaft). Der Amtsvormund betreut bis zu 50 Fälle. Ein ehrenamtlicher Vormund hat demgegenüber die Möglichkeit, sich intensiv und persönlich um die Minderjährigen zu kümmern. Diese persönliche Beziehung kann für die Integration von ganz entscheidender Bedeutung sein. In zehn Modellregionen in Deutschland werden die bereits erarbeiteten Curricula zur Gewinnung von Gastfamilien, Vormundschaften und Patenschaften erprobt.

Damit sich interessierte und engagementbereite Bürgerinnen und Bürger eingehend über das Programm „Menschen stärken Menschen" informieren können, wurde ein Wegweiser-Telefon mit der Rufnummer 0800 200 50 70 eingerichtet. Dort erhalten Bürgerinnen und Bürger ab sofort Informationen über die Möglichkeiten in den Bereichen Patenschaft, Gastfamilie und Vormundschaft und werden bei Bedarf an die zuständige Anlaufstelle vor Ort weiter vermittelt. Weitere Informationen finden Sie darüber hinaus auf www.bmfsj.de.

In Aachen sind mehrere Anlaufstellen für ehrenamtliche Vormundschaften zuständig:

Sozialdienst katholischer Frauen Aachen: Die Ansprechpartnerinnen Britta Jagdfeld und Ute Leroy sind per Telefon 0241/470450 oder per Mail unter info@skf-aachen.de erreichbar.
AWO Kreisverband Aachen-Stadt e.V.: Die Ansprechpartner Ingo Schartmann und Willi Kiessner sind unter 0241-88916-41 bzw. 23 erreichbar.