Deutscher Ethikrat als wichtiger Ratgeber der Politik

Im September hat der Deutsche Ethikrat die Abgeordneten des Deutschen Bundestags zu einem parlamentarischen Abend geladen. Ein besonderer Fokus lag an diesem Abend auf der Vorstellung zweier Stellungnahmen des Ethikrates, die zum einen das Patientenwohl in Krankenhäusern und zum anderen das Thema die Embryonenspende und die Embryonenadoption.

Das darauf folgende Gespräch entwickelte sich zu einem konstruktiven Austausch über ethisches Handeln in der Politik.

‚Patientenwohl als ethischer Maßstab für das Krankenhaus‘

Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der besten in der Welt. Darauf können wir stolz sein. Doch gibt es auch in diesem System Fehlentwicklungen, die offen angesprochen werden müssen. Aus diesem Grund hat sich der Deutsche Ethikrat in einer ausführlichen Stellungnahme mit der Krankenhausversorgung in Deutschland auseinandergesetzt und dabei das Patientenwohl in den Mittelpunkt gestellt. Herausgearbeitet wurden sieben Empfehlungen, die etwa eine Verbesserung der Kommunikation, die Sicherung von Qualifikationsansprüchen, eine Verbesserung der Pflegesituation, die Vergütung und die systembedingten Rahmenbedingungen umfassen.

Das deutsche Gesundheitssystem steht aufgrund des demografischen Wandels, des medizinischen Fortschritts, der Notwendigkeit von Investitionen und auch der Erwartungshaltung seitens der Patienten unter einem stetigen ökonomischen Druck. Einerseits sollen die Kosten des Systems – und damit auch direkt die Beitragsgelder der Krankenversicherten – so gering wie möglich gehalten werden. Auf der anderen Seite darf das Wohl des Patienten, die Therapiefreiheit der Ärzteschaft und damit die Sicherstellung einer hochwertigen Versorgung nicht unter diesem ökonomischen Druck leiden. Rudolf Henke zeigte sich sehr interessiert an den Ausführungen: „Die Stellungnahme ist ein wichtiger Beitrag zur Bewertung und Weiterentwicklung beschlossener Regelungen und sollte von allen Beteiligten im Gesundheitswesen genau zur Kenntnis genommen werden“.

‚Embryonenspende, Embryonenadoption und elterliche Verantwortung‘

Die zweite Stellungnahme, die an diesem Abend vorgestellt wurde, befasst sich mit der Weitergabe sogenannter überzähliger Embryonen zur Austragung durch Dritte. Dies kann dann möglich sein – und ist auch rechtlich in Deutschland erlaubt – wenn Embryonen für die fortpflanzungsmedizinische Behandlung eines Paares, etwa einer künstlichen Befruchtung, nicht mehr verwendet werden können. Die Spende dieser Embryonen eröffnet besonders für kinderlose Paare die Möglichkeit, einen Kinderwunsch zu erfüllen. Der Ethikrat empfiehlt dem Gesetzgeber dieses Verfahren staatlich durch entsprechende Gesetze zu regeln und dadurch gezielte Festlegungen für derzeit bestehenden Graubereiche zu formulieren. Dies betrifft etwa die Abgabe und Übernahme der elterlichen Rechte und Pflichten oder die Konstellationen, wann eine Embryonenadoption möglich sein soll.

Hintergrund Deutscher Ethikrat:

Der Deutsche Ethikrat ist ein wichtiger Akteur im öffentlichen und politischen Diskurs über ethische Fragen. Seine Stellungnahmen werden weithin öffentlich beachtet und haben einen unbestritten einen direkten Einfluss auf politische Gesetzgebungsprozesse. Er besteht aus 26 Mitgliedern, die naturwissenschaftliche, medizinische, theologische, philosophische, ethische, soziale, ökonomische und rechtliche Belange in besonderer Weise repräsentieren.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.ethikrat.org