Gute Jobchancen für Menschen mit Behinderung in Aachen

20 von 60 Teilnehmern des Modellprojektes „InTrain2Job“ haben bereits eine sozialversicherungspflichtige Arbeit aufgenommen, lautet kurz und knapp das wichtigste Fazit einer Zwischenbilanz, welche die Projektpartner, die FAW (Fortbildungsakademie der Wirtschaft gGmbH), die Agentur für Arbeit Aachen-Düren und das Jobcenter StädteRegion Aachen zogen.

In hiesiger Region stellte das Jobcenter StädteRegion Aachen im Jahr 2014 einen Projektantrag für die Bundesmittel, der mit einem seitens der FAW komplettierten Konzept positiv beschieden wurde.

Operativ Fahrt nahm das Projekt Anfang 2016 auf, nach dem im Dezember 2015 der Zuwendungsbescheid über rund 630.000 € eingetroffen war; es läuft bis Oktober 2017.

Mit Start im Mai 2016 und November 2016 nahmen und nehmen zwei Gruppen mit jeweils 60 schwerbehinderten Menschen zwischen 25 und 55 Jahren am Projekt teil. Voraussetzung ist, dass kein aktuelles medizinisches oder berufliches Reha-Verfahren läuft. Ziel ist die Nachhaltige Integration in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit. Die Projektteilnehmer stammen je hälftig aus dem Kundenstamm der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter.

Die Teilnehmer münden zunächst in eine sog. „Intensivphase“ von 2 Wochen ein. Während dieser erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den sog. Jobtrainern der FAW. Es wird ein branchenbezogenes Tätigkeits- und Fähigkeitsprofil angelegt. Jobtrainer suchen dann einen passgenauen Betrieb zur Erprobung und zum Training.

In der sich anschließenden Erprobungs- und Trainingsphase sind die Teilnehmer in Betrieben und werden weiterhin intensiv betreut. Ziel ist es, innerhalb der Trainingsphase eine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt sicherzustellen. Hierzu wird auch ermittelt, inwieweit die Arbeitsplätze individuell zu gestalten sind, um die Eingliederung erfolgreich durchzuführen.

Konkret profitiert hat beispielsweise Florian Ernst, der als Rollstuhlfahrer nun eine Tätigkeit als Alltagsbegleiter in der Aachener Pflegeeinrichtung „Carpe Diem“ ausübt. Reiner Kreuer, der an Epilepsie erkrankt ist, fand eine Anstellung in einem Aachener Bio-Supermarkt. „Neben motivierten Arbeitsuchenden sind auch Arbeitgeber, die sich auf diese besonderen Menschen einlassen, wichtig“, so Oliver Diepes, Koordinator bei der FAW, „daher begleiten wir beide im Rahmen der Trainingsphase und schauen, wo wir unterstützen können“.

Jutta Schmid, Bereichsleiterin der Agentur für Arbeit Aachen-Düren: „Wir brauchen diese und weitere Arbeitgeber, die  als „Chancen-Geber“ für Menschen mit Behinderung fungieren. Oft bekommen wir nach der erfolgreichen Integration die Rückmeldung, dass die Menschen mit Behinderung eine Bereicherung für das Unternehmen sind.“

Stefan Graaf, Geschäftsführer des Jobcenters StädteRegion Aachen: „Sicherlich ist es mehr Aufwand, schwerbehinderte Menschen in Arbeit zu bringen, aber ich stelle immer wieder fest, dass diese dann auch besonders zuverlässig und dem Unternehmen verbunden sind; auch das ist ein wichtiger Aspekt, so wie wir generell auf die Stärken der Menschen schauen sollten.“

Rudolf Henke, MdB: „Es war für alle Beteiligten viel Arbeit, die Mittel für diese Modellprojekt nach Aachen zu holen und ich habe das gerne begleitet. Jetzt sehen wir, dass es richtig war. Aus dem Ausgleichsfonds werden viele Projekte in der Republik gefördert, bei den Ergebnissen kann sich das Aachener Modellprojekt sehen lassen. Jetzt gilt es gemeinsam zu überlegen, wie wir diese Art der intensiven, aber zielführenden Förderung auf Dauer fortsetzen können.“

Begleitet wird das Projekt quartalsweise durch einen Projektbeirat, im welchem die lokalen Akteure des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes vertreten sind (RWTH Schwerbehindertenvertretung, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Landschaftsverband Rheinland, StädteRegionales Amt für Inklusion und Sozialplanung, Integrationsfachdienst, Regionalagentur).

Mit Mitteln des Ausgleichsfonds für überregionale Vorhaben zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben (§ 78 SGB IX) fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), besondere Projekte für diese Personengruppe. 

Bild: FAW / Rieger