Aachener Wissenschaftler erforschen geistige und seelische Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen in Extremsituationen

Durch die Aachener Hochschulen, außeruniversitäre Einrichtungen und die dort beschäftigten Wissenschaftler ist unsere Stadt über ihre Grenzen bekannt und hat in Deutschland einen hervorragenden Ruf.

Hochqualifizierte Aachener Wissenschaftler beschäftigen sich mit unzähligen Forschungsvorhaben, die nicht selten von der Bundesregierung gefördert werden.

Einige dieser Vorhaben werden auch an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Uniklinik RWTH Aachen betrieben. Die sitzungsfreien Wochen im Juni hat der Aachener Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke genutzt, um sich ein Bild vom aktuellen Stand dreier der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekte zu machen. Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann und Prof. Dr. Kerstin Konrad standen für einen ausführlichen Austausch zur Verfügung und präsentierten mit einigen Teammitgliedern die Projekte:

Mutter-Kind-Beziehung als Grundlage für glückliches Leben

Ein Teil des Teams beschäftigt sich mit Teenage-Müttern (Projekt TeeMo) und der Frage, inwieweit das junge Alter der Mütter und damit verbundene Schwierigkeiten die Entwicklung des Kindes beeinflussen können. Die Relevanz und die Auswahl des Forschungsbereichs begründen die Wissenschaftler mit der Statistik: In Deutschland werden jedes Jahr ungefähr 22.000 Neugeborene von Müttern im Alter unter 20 Jahren geboren. Die jungen Mütter zeigen häufig weniger Empathie für die Bedürfnisse ihrer Kinder. Im Rahmen der Studie sollen deshalb die Effekte eines Eltern-Kind-Interventionsprogramms auf mütterliche Empathie und die Entwicklung des Kindes untersucht werden.

Auswirkung von Vernachlässigung im Kindesalter

Das zweite Projekt heißt "Pflegefamilienstudie Grow&Treat" und wird in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und der Technischen Universität Braunschweig durchgeführt. Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem Thema der Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen. Die Studie besteht aus zwei Teilen, bei denen sowohl Pflegekinder und ihre Pflegeeltern, als auch Familien und ihre leiblichen Kinder befragt werden. Die Wissenschaftler konnten bereits erste Ergebnisse der Studie präsentieren: Haben Pflegekinder in der Vergangenheit Gewalt, Misshandlungen oder Vernachlässigungen erlebt, so zeigen sie sich deutlich anfälliger für psychische Leiden, als Kinder, die in gleicher Umgebung ohne solche Belastungen aufwachsen.

Mehr Forschung über Magersucht notwendig

Das dritte Projekt richtet sich an  Jugendliche, die an Magersucht  leiden. Die Wissenschaftler haben betont, dass das Thema bis jetzt viel zu wenig erforscht sei und umfassender beleuchtet werden soll. Im Projekt wurde die tagesklinische Behandlung magersüchtiger jugendlicher Patienten mit der stationären Behandlung verglichen. Teil des Projektes sind auch Untersuchungen des Gehirns, wobei die hungerbedingte Veränderung des Gehirns durch bildgebende Verfahren verglichen wird. Dabei wurden die katastrophalen Konsequenzen der Magersucht auf die Entwicklung des  jungen Gehirns deutlich. Verbunden mit den psychischen Belastungen bedarf die Magersucht bei gefährdeten Jugendlichen einer großen Aufmerksamkeit.