Organisierte Sterbehilfe verbieten

Kaum eine Frage bewegt die Menschen mehr als die nach dem Ende des Lebens. Die Diskussion über ein Sterben in Würde wird auf vielen gesellschaftlichen Ebenen geführt, nicht zuletzt von der Politik.

Dabei geht es auch um Sterbehilfe, die von dubiosen Vereinen angeboten wird. Die CDU/CSU-Fraktion hat bereits in der vergangenen Legislaturperiode einen Anlauf unternommen, das Geschäft mit dem Tod zu verbieten. Nun hat die Union das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Der Bundestag wird in der kommenden Woche eine mehrstündige Orientierungsdebatte dazu führen.

In Deutschland ist der Selbstmord straflos. Deshalb gilt dies auch für die Beihilfe zum Suizid. Verboten ist jedoch die aktive Sterbehilfe. Sterbehilfevereine, die es erst seit einigen Jahren gibt, nutzen eine rechtliche Lücke. Die Abgeordneten der CDU/CSU- Fraktion sind sich weitgehend einig, dass sie die organisierte Sterbehilfe verbieten wollen. Niemand soll mit dem Leid und der Verzweiflung vonMenschen sein Geld verdienen können.

Die Würde des Menschen bleibt unantastbar – vom Beginn bis zum Ende des Lebens. In der letzten Phase des Lebens ist der Schutz der Menschenwürde besonders bedeutsam, weil Schwäche, Leid und Ausweglosigkeit von skrupellosen Geschäftemachern leicht ausgenutzt werden können. Nach Ansicht der Unionsfraktion dürfen keine Türen geöffnet werden, durch die schwache oder verzweifelte Menschen gehen würden oder durch die sie gar gedrängt werden könnten – etwa weil sie das Gefühl haben, der Gesellschaft, den Angehörigen zur Last zu fallen. Diese Auffassung wird auch von Parlamentariern anderer Fraktionen geteilt.

Hospizwesen und Palliativmedizin ausbauen

Einigkeit besteht auch darin, dass man den Menschen am Ende des Lebens bessere medizinische und psychologische Begleitung zur Seite stellen muss. Daher sollen die Palliativmedizin und das Hospizwesen flächendeckend ausgebaut werden. Denn es ist bekannt, dass eine gute, professionelle palliative Begleitung den Menschen den Schmerz und auch die Ängste vor dem Sterbeprozess nehmen kann. Dies ist auch das Ergebnis einer fraktionsoffenen Sitzung der Unionsfraktion in der Mediziner, Kirchenvertreter und Juristen ihre Erfahrungen  und Überlegungen vorstellten. Dort berichtete der Palliativmediziner Thomas Sitte, dass er in 99 Prozent der Fälle den schwer kranken Patienten helfen könne. Die allermeisten rückten dann vom Wunsch nach Sterbehilfe ab.

In der Unionsfraktion gibt es gleichwohl unterschiedliche Ansichten in einer weiteren Frage. So vertritt eine Gruppe die Auffassung, dass ein ärztlich assistierter Suizid im Ausnahmefall zugelassen werden solle. Zahlreiche Abgeordnete lehnen dies aber strikt ab. Weil die Entscheidung über ein Verbot so grundsätzlich und so schwierig ist, soll sie nicht entlang der Fraktionsgrenzen fallen. Wie in anderen ethischen Fragen auch werden sich im werden sich im Bundestag fraktionsübergreifend Gruppen bilden, die ihre Anträge formulieren. Doch zunächst soll am kommenden Donnerstag, den 13. November 2014, eine mehrstündige Orientierungsdebatte geführt werden, in der Abgeordnete aller Fraktionen ihre persönliche Ansicht darstellen können. Für das Frühjahr ist dann eine Anhörung im Bundestag geplant. Mit einer endgültigen Entscheidung wird nicht vor Sommer 2015 gerechnet.