Schicksale, die ein Leben lang prägen- Das PÄZ betreut junge Flüchtlinge in Aachen

Unter der seit 2008 zunehmenden Zahl an Asylbewerbern, die in Deutschland Schutz suchen, stellen Kinder und Jugendliche einen nicht unerheblichen Anteil. Eine der Einrichtungen, die insbesondere für die soziale und psychologische Beratung und Betreuung zuständig ist, ist das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge in Aachen.

Unter der seit 2008 zunehmenden Zahl an Asylbewerbern, die in Deutschland Schutz suchen, stellen Kinder und Jugendliche einen nicht unerheblichen Anteil. Ein großer Teil von ihnen verlässt entweder das Herkunftsland ohne Begleitung ihrer Eltern oder sie werden auf der Flucht von ihnen getrennt. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) zählen zu den besonders schutzbedürftigen Personen, da sie besonders gefährdet sind, Opfer von Konflikten, Ausbeutung und Gewalterfahrung zu werden. Auch in der Stadt Aachen, die aktuell für 480 UMF zuständig ist, sind viele Einrichtungen mit der Unterbringung, Inobhutnahme und Betreuung von UMF betraut.

Eine der Einrichtungen, die insbesondere für die soziale und psychologische Beratung und Betreuung der Kinder und Jugendliche zuständig ist, ist das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge (PSZ) in Aachen. In einem dort geführten Gespräch mit der Geschäftsführerin Marie Theres Aden-Ugbomah, den therapeutisch eingesetzten Mitarbeiterinnen Elisavet Pachatyroglou und Elham R. Balochi sowie dem Sprach- und Kulturmittler Ismael Souaré, erhielt Rudolf Henke einen Einblick in die soziale und therapeutische Arbeit mit den jungen Flüchtlingen.

Im Bereich der sozialen Betreuung bietet das soziale Zentrum kulturelle und sportliche Freizeit-angebote für junge Flüchtlinge an. Im Feld der psychologischen Begleitung berichten die Verant-wortlichen, dass insbesondere die Anfrage nach Therapieplätzen für Trauma-Therapie seit dem letzten Jahr enorm gestiegen sei. Seit dem Jahr 2011 wurden über 100 UMF vom Zentrum therapeutisch begleitet. Erstmals seit der Einführung des Angebotes musste das PSZ im Jahr 2014 eine Warteliste einführen, die mittlerweile ebenfalls geschlossen ist. Das PSZ stößt aufgrund des zunehmenden Bedarfes an seine Personalkapazitäten und auch außerhalb des Zentrums, finden Flüchtlinge nur schwer einen Therapieplatz bei niedergelassenen Psychotherapeuten. Dies liegt, so die Verantwortlichen, u.a. neben der Notwendigkeit einer zusätzlichen „SprInt Kraft“ im Rahmen von Therapiesitzungen, auch an den Erfahrungen der Flüchtlinge, die eine spezielle Trauma-Therapie erforderlich macht. Hier verweist das PÄZ-Team im Gespräch auch auf die zunehmende Kom-plexität der Schicksale, auch in Hinblick auf Erfahrung sexueller Gewalt bei jungen Mädchen und Jungen, die sie als Instrument der Kriegsführung in afrikanischen und arabischen Ländern durchleben mussten. Insbesondere das Angebot an Unterbringung und Betreuung von männlichen Jugendlichen und jungen Männern, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, stellt sich oft als problematisch dar. Langfristig hängen die persönliche Entwicklung und der Verbleib der oftmals entwurzelten jungen Flüchtlinge, so die PÄZ-Verantwortlichen, aber auch davon ab, ob ihre traumatischen Erfahrungen in einer Therapie behandelt werden können.

Auch Rudolf Henke, der sich in den vergangenen Monaten in Gesprächen mit Verantwortlichen von Einrichtungen und der Stadt Aachen mit dem Thema UMF beschäftigt, teilt die Meinung der Verantwortlichen: „Die jungen Menschen, die oftmals erst nach einer langen und lebensgefährlichen Flucht in Deutschland ankommen, brauchen auch psychologische Betreuung. Posttraumatische Belastungsstörungen, ein Begriff, der in Deutschland erst in Zusammenhang mit heimgekehrten Soldatinnen und Soldaten in der Gesellschaft angekommen ist, bedürfen einer therapeutischen Behandlung, damit die jungen Menschen langfristig in Deutschland ankommen können.“ 

Hintergrundinformationen:

Das Pädagogische Zentrum Aachen e.V. (PÄZ) wurde 1983 von Lehrerinnen und Lehrern gegründet. Der Verein ist als gemeinnützige Einrichtung und als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. Die Migrations- und Integrationsarbeit stehen im Focus der pädagogischen Arbeit, die heute das Hauptziel der Vereinstätigkeit ist. Seit vielen Jahren betreut das PÄZ im Auftrag der Stadt Aachen auch Flüchtlinge mit pädagogischen und psychologischen Angeboten. Seit 1997 wird die Arbeit des PSZ, das das einzige in unserer Region ist, vom Land NRW gefördert.