Neues Bildungsprogramm für Flüchtlingskinder gestartet

Deutschland steht derzeit vor der großen humanitären Aufgabe, viele hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen und sie zügig zu integrieren. Auch wenn die akuten Fragen der Unterbringung und Versorgung derzeit im Mittelpunkt der Anstrengungen stehen, ist klar, dass Integration in den nächsten Jahren Schwerpunkt von Politik werden wird.

Der Schlüssel zu einer gelungenen Integration ist Bildung. Deshalb hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in kurzer Zeit eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, die auf verschiedenen Ebenen Lernmöglichkeiten eröffnen und die Qualifizierung von Flüchtlingen fördern.

Dabei kann es auf bewährte, in den letzten Jahren erprobte Instrumente zurückgreifen. Die besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Spracherwerb: Integration kann nur gelingen, wenn Flüchtlinge möglichst schnell und gut Deutsch lernen. Hierzu dient das Programm „Lesestart für Flüchtlingskinder“, das zusammen mit der Stiftung Lesen umgesetzt wird. Alle Flüchtlingskinder im Vorschulalter in Erstaufnahmeeinrichtungen erhalten ab Mitte Dezember ein speziell konzipiertes Lesestart-Set mit einem kindgerechten Buch. Den Erstaufnahmeeinrichtungen wird darüber hinaus jährlich eine Lese-und Medienbox für die pädagogische Arbeit mit bis zu 12-jährigen Kindern vor Ort zur Verfügung gestellt. Deutsch zu lernen ist aber für Flüchtlinge jeden Alters von zentraler Bedeutung.

Zusätzlich zu hauptamtlichen Lehrkräften sollen Ehrenamtliche zu Lernbegleitern qualifiziert werden. Beim Deutschen Volkshochschulverband werden zur Förderung erster Deutschkenntnisse von Flüchtlingen und Asylbewerbern rd. 3.200 Freiwillige geschult, die ab März 2016 Einstiegskurse je nach Erfordernis für bis zu 35.000 Flüchtlinge pro Jahr anbieten.

Für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ist die Anerkennung ihrer vorhandenen Berufsqualifikationen von zentraler Bedeutung. Hier bewährt sich unser Anerkennungsgesetz; gerade auch mit seinen flexiblen Möglichkeiten der Kompetenzfeststellung. Diese Angebote sollen bekannter gemacht werden und das Anerkennungsportal sowohl im Hinblick auf Service als auch beim Sprachangebot ausgebaut werden.

Frühe Berufsorientierung und Begleitung hin zu einem Ausbildungsplatz sind entscheidend für den erfolgreichen Einstieg in eine Ausbildung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat in Kooperation mit den Ländern, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit die Initiative Bildungsketten etabliert, die sofort in den Schulen auch für Flüchtlinge zur Verfügung stehen. Die erfolgreichen Netzwerke der Koordinierungsstellen Ausbildung und Migration (KAUSA) sollen vor allem in Ballungsgebieten erheblich ausgebaut  und die Zahl der Servicestellen insgesamt verdoppelt werden. KAUSA fördert Ausbildung in Unternehmen mit Inhaberinnen und Inhabern mit Migrationshintergrund und koordiniert die beteiligten Institutionen. Darüber hinaus unterstützt KAUSA die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Neben der beruflichen ist uns auch die hochschulische Ausbildung junger Flüchtlinge ein wichtiges Anliegen. Es soll daher den studierwilligen und studierfähigen Flüchtlingen den Zugang zu Hochschulen ermöglichen. Zu deren Zugangsvoraussetzungen gehören vor allem die Nachweise von Sprachkenntnissen sowie von bisherigen Bildungsabschlüssen, die mittels existierender und bewährter Testverfahren ermittelt werden können. Die entsprechenden Testinstrumente werden für die Zielgruppe „Flüchtlinge“ angepasst und die Kapazitäten vor Ort in erforderlichem Umfang ausgebaut. Bei der Vorbereitung auf ein Hochschulstudium spielen bewährte Einrichtungen an den Hochschulen wie etwa Studienkollegs eine wichtige Rolle. Über den Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) als Mittlerorganisation wird das BMBF jährlich rund 2.400 zusätzliche Plätze an Studienkollegs und vergleichbaren Einrichtungen an Hochschulen finanzieren. Viele tausend Studierende deutscher Hochschulen unterstützen Flüchtlinge beispielsweise beim Einstieg ins Studium und beim Erlernen von Sprachen. Es sollen Hochschulen mit einer relevanten Anzahl von Flüchtlingen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um diese engagierten Studierenden im Rahmen von studentischen Mitarbeiterverträgen und mit Sachmitteln zu unterstützen. Anträge im Programm „Welcome – Studierende engagieren sich für Flüchtlinge“ können bis zum 28. Februar 2016 beim DAAD eingereicht werden.

Bildung findet vor Ort, in den Kommunen statt. Daher unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Kommunen und lokale Netzwerke. Es sollen 400 kommunale Koordinatorinnen und Koordinatorinnen gefördert werden, die in jedem Landkreis bzw. jeder kreisfreien Stadt vor Ort die Bildungsmaßnahmen und -angebote für Neuzugewanderte abstimmen und bündeln. Mit den lokalen Bündnissen für Bildung im Programm „Kultur macht stark“ werden derzeit 300.000 bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche erreicht. Die Programmpartner können nun zusätzliche Angebote für junge Flüchtlinge durchführen und hier auch auf die Altersgruppe der jungen Erwachsenen ausweiten. In den Bildungsbündnissen werden Sprachund Kulturtechniken vermittelt, die bei der Integration helfen und einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung einer Integrationskultur leisten.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung