Jugend und Parlament 2016: Ein Bericht

Der Aachener Schüler Luis Lauven nahm auf Einladung von Rudolf Henke an dem Planspiel "Jugend und Parlament 2016" teil. Im Nachgang berichtet er von seinen Erlebnissen und Erfahrungen.

Vom 04.06. bis zum 07.06.2016 habe ich am Planspiel „Jugend und Parlament” des Deutschen Bundestages teilgenommen.

Als ich am Samstagmorgen in Aachen nach Berlin aufbrach, wuchs meine Nervosität sehr. Was kommt auf mich zu? In welche Partei werde ich kommen? Was ist, wenn ich zu den Linken oder zu den Grünen komme bzw. könnte ich diese Ansichten auch vertreten? Mein Vater meinte zu mir „Luis, sei offen für alles, lass es auf dich zukommen und habe Spaß”. Genau so ging ich an die Sache ran.

Als ich dann um halb vier am Paul-Löbe-Haus eintraf, begrüßte mich einer der ehrenamtlichen Betreuer von Jugend und Parlament und sagte, dass ich noch ungefähr eine halbe Stunde Zeit hätte, bis ich ins Paul-Löbe-Haus dürfte. Also stellte ich mich zu einer Gruppe dazu und die erste Frage von ihnen lautete „Bist du auch ein JU'ler?”. Mit dieser Frage fiel endgültig die Anspannung und wir überlegten, in welche Partei wir kommen würden, da dies ausgelost wurde. Nach einer halben Stunde gingen wir also ins Paul-Löbe-Haus, stellten unsere Koffer ab und bekamen eine Partei bzw. Landesgruppe zugeteilt. Ich kam in die CVP Mitte-Ost. Ich war also in der CDU angelehnten Partei und mein erster Gedanke war „zum Glück”.

Nachdem alle ihre Partei zugewiesen bekommen hatten, gingen wir in die einzelnen Räume der Landesgruppen und uns wurde der Ablauf des Planspiels erklärt. Von nun an war ich Paul Paulssen, 53 Jahre alt, verheiratet, hatte drei Kinder und war Professor für Politikwissenschaften.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 5:30 Uhr, Frühstück gab es um 6:20 Uhr und um 8 Uhr sollten wir im Bundestag sein, damit wir unsere erste Fraktionssitzung der CVP abhalten konnten. Wir wählten den Fraktionsvorstand, die Schriftführer und haben uns über die vier Gesetzesentwürfe beraten.

Ab 14 Uhr hatten wir dann Zeit, um Berlin zu erkunden. Um 16 Uhr ging es dann weiter mit der Fraktionssitzung und am Abend konnten wir die Kuppel des Reichstagsgebäudes bei Sonnenuntergang besichtigen.

Am Montagmorgen eröffnete der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Johannes Singhammer, die erste Lesung über die vier Gesetzesentwürfe zur Änderung des Grundgesetzes: Die Festschreibung von Deutsch als Landessprache und Einführung von Artikel 75 (Einführung bundesweiter Volksabstimmungen) sowie die Ausweitung der Beteiligung deutscher Streitkräfte an der EU-geführten Operation EUMISA und die Verbesserung des Tierschutzes in der Landwirtschaft.

Ich setzte mich auf dem Platz von Thomas Strobl, um die Einsetzung der Ausschüsse zu beschließen. Mein Ausschuss war der Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union. Unsere Aufgabe war es, über den EUMISA Einsatz in Sahelien zu beraten. Dadurch, dass wir in einer großen Koalition mit der APD (angelehnt an die SPD) waren, lief die Arbeit im Ausschuss relativ einfach. Unsere Große Koalition überzeugte auch noch die drei Mitglieder des Ausschusses von der ÖSP - angelehnt an die Grünen - dem Sahelien Einsatz zuzustimmen, und ausschließlich die PSG (simuliert Die Linke) stimmte gegen den Einsatz.

Ab 14 Uhr hatten wir dann Zeit, um unseren Bundestagsabgeordneten in seinem Büro zu besuchen. Leider war Herr Henke in einem wichtigen Termin, so hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit Frau Stegmaier und Herrn Böckler. Es war schön, die beiden Mitarbeiter nach meinem Praktikum 2014 bei Rudolf Henke nochmal wiederzusehen. Nach dem Gespräch ging es dann zurück in die Ausschüsse. Am Abend gab es ein gemeinsames Abendessen mit verschiedenen Abgeordneten und unserem Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe.

Am Dienstag, dem letzten Tag in Berlin, war alles ein bisschen hektischer. Wir mussten schon früh unsere Koffer packen und mit den Koffern wieder in den Bundestag. Um 9 Uhr begann die letzte bzw. große Plenarsitzung. In der Plenardebatte haben wir über einzelnen Gesetzesentwürfe debattiert und den Gesetzesentwürfen „Festschreibung von Deutsch als Landessprache“, „Ausweitung der Beteiligung deutscher Streitkräfte an der EU-geführten Operation EUMISA“ und „Verbesserung des Tierschutzes in der Landwirtschaft“ zugestimmt. Der Gesetzentwurf „Einführung von Artikel 75 in das Grundgesetz (Einführung bundesweiter Volksabstimmung)“ wurde abgelehnt.

Nachdem wir mit der Plenarsitzung gegen 12:30 Uhr fertig waren, gab es eine Podiumsdiskussion mit den Vorsitzenden bzw. deren Stellvertreter der vier im Deutschen Bundestag vertretenen Fraktionen. Moderiert wurde die Debatte von Tina Hassel (Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios).

Während dieser Debatte traf ich unseren Bundestagsabgeordneten  Rudolf Henke, der gerade aus einer Ausschusssitzung kam. Ich erzählte ihm von meinen Eindrücken des  Planspiels und wir haben ein Foto gemacht. Danach ging ich zurück in den Plenarsaal, wo auch kurz darauf unser Bundestagspräsident Norbert Lammert das Schlusswort hielt und mit uns Erinnerungsfotos machte.

Als ich am nächsten Tag wieder in die Schule war, wurde ich mehrfach gefragt „Wie ist das Leben als Bundestagsabgeordneter?”. Ich konnte diese Frage in diesem Augenblick noch nicht wirklich beantworten, es brauchte erstmal ein paar Tage bis ich alles begriffen hatte, was ich in Berlin erlebt hatte.

Insgesamt wäre es vielleicht interessant gewesen, wenn ich nicht in die CVP gelost worden wäre, da ich dann bei den anderen Parteien eine komplett andere Meinung hätte vertreten müsse und auch erfahren hätte, wie es ist, in der Opposition zu sein. Insgesamt war ich aber froh, in der CVP gewesen zu sein und das Planspiel war eine großartige Erfahrung, da man einen guten Einblick in das Leben eines Abgeordneten bekommen hat.

Dafür möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei Herrn Henke bedanken, da er mir diese Erfahrung ermöglicht hat.