Psychisch Kranke in der Arbeitswelt halten

Menschen mit psychischen Erkrankungen haben es im Arbeitsalltag und auf dem Arbeitsmarkt oft schwer. Über die Frage, wie man sie leichter auf ihrer Stelle halten oder gegebenenfalls wieder zurück in den Beruf bringen kann, diskutierten Ende November Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Experten.

Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der Fraktion, Peter Weiß, fasste die Schlüsselforderungen an ein gutes Bundesteilhabegesetz so zusammen: rechtzeitige und gute Beratung für jeden Betroffenen anbieten, Coaching- Strukturen verbessern, Zugang zu Hilfe ermöglichen und die Gesundheitsprävention im Betrieb stärken.

Der Behindertenbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion, Uwe Schummer, sprach sich für einen Ausbau der Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben aus. Diese fungierten häufig als erste Anlaufstelle und könnten dazu beitragen, dass Unternehmen rechtzeitig mit geeigneten Maßnahmen zum Arbeitsplatzerhalt reagierten, sagte er. Für verbindliche Vorgaben zur Anpassung von Arbeitsbedingungen an die Bedürfnisse psychisch kranker Menschen im Bundesteilhabegesetz plädierte Eva Welskop- Deffaa vom ver.di-Bundesvorstand.

Nach Auffassung des Geschäftsführers der Aktion Psychisch Kranker (APK e.V.), Ulrich Krüger, muss sich die Perspektive der einzelnen, betroffenen Personen im Gesetz wiederfinden. Denn jede psychische Erkrankung habe sehr individuelle Auswirkungen. Jens Nitschke, der Leiter „Berufliche Rehabilitation“ der Bundesagentur für Arbeit, forderte eine eindeutige Aufgabenzuweisung im Bundesteilhabegesetz. Er drang auch auf Klarheit bei der Finanzierung. Bei der Vermittlung psychisch Kranker in den ersten Arbeitsmarkt fehlt es nach Einschätzung von Friedrich Kiesinger, dem Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für soziale und gesundheitliche Dienstleistung Albatros Berlin, insbesondere an „Lotsen“, die bei Problemen mit Arbeitgebern oder bei der Überwindung bürokratischer Hürden Hilfestellung bieten könnten. Hier müsse eine entsprechende Struktur geschaffen werden, forderte er.

Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt schwierig
Mit sinkender Bereitschaft von Unternehmen, Menschen mit psychischen Behinderungen zu beschäftigen, hat sich nach Einschätzung von Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, die Zahl der Beschäftigten in Werkstätten für behinderte Menschen verfestigt. Da von dort aus ein Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt jedoch selten gelinge, sei eine zeitlich unbegrenzte unterstützte Beschäftigung erforderlich. Die Bedeutung einer solchen unterstützten Beschäftigung hob auch Wolfgang Grasnick, Geschäftsführer der Union Sozialer Einrichtungen (USE GmbH) in Berlin, hervor. Seine Organisation begleitet psychisch Kranke auf dem Arbeitsmarkt mit leistungsgerechter Anleitung und einem Stufensystem.

Sinkende Toleranz
Entgegen häufig anderslautender Analysen vertrat der Ärztliche Direktor im Reha-Zentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung Bund, Michael Linden, den Standpunkt, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen stabil sei. Allerdings führten die technischen Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu sinkender Toleranz gegenüber Leistungsschwankungen, räumte er ein. Damit würden immer mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen aus der Arbeitswelt gedrängt. Erforderlich sei für diese Menschen ein Minderleistungsausgleich.