Solide Finanzgrundlage für Lebensversicherungen

Lebensversicherungen haben sich über viele Jahrzehnte als ein wichtiges und beliebtes Instrument zur Altersvorsorge bewährt. Mit dem Gesetz zur Reform der Lebensversicherungen will die Koalition sicherstellen, dass alle Versicherungsnehmer die ihnen zugesagten Leistungen aus Lebensversicherungsverträgen erhalten.

Was plant die Koalition konkret?
Alle an einer Versicherung beteiligten – also Versicherer, Aktionäre und Kunden – sollen einen Beitrag dazu leisten, dass Lebensversicherungen weiterhin eine solide Finanzgrundlage haben. Die zentralen Punkte des Gesetzentwurfs sind: Bewertungsreserven von Staatsanleihen dürfen zukünftig nur dann ausgeschüttet werden, wenn sichergestellt ist, dass auch die Ansprüche derjenigen Versicherten erfüllt werden können, deren Verträge später fällig werden. Kunden sollen in Zukunft stärker
von Risikoüberschüssen der Lebensversicherer profitieren. Diese ergeben sich, wenn die Versicherer vorsichtig kalkulieren und daraus einen Gewinn erzielen. Versicherungsunternehmen sollen zu mehr Transparenz und zu Kostensenkungen im Vertrieb verpflichtet werden. Deshalb wird darüber nachgedacht,
die Abschlusskosten eines Vertrages für den Kunden sichtbar auszuweisen. Besteht die Gefahr, dass den Versicherten der garantierte Zinssatz nicht ausgezahlt werden kann, sollen die Aktionäre des Lebensversicherers auf Ausschüttungen verzichten.

Warum ist die Neuregelung gerecht?
Es ist Aufgabe der Politik, einen fairen Interessenausgleich zwischen allen Versicherten herbeizuführen. Bei den schwankenden Bewertungsreserven wird diese Notwendigkeit besonders deutlich. Im Gegensatz zu Aktien oder Immobilien, die in ihrem Wert dauerhaft
steigen können, sind Bewertungsreserven auf Anleihen lediglich zeitlich begrenzte Buchgewinne. Eine Anleihe ist in der Regel am Tage der Fälligkeigkeit  wieder genauso viel wert wie am Tage ihrer Ausgabe. Bewertungsreserven aus festverzinslichen Anlagen sind derzeit nur deshalb so hoch, weil wir uns in einer Niedrigzinsphase befinden.
Es wäre daher ungerecht, wenn Kunden mit jetzt auslaufenden Verträgen von diesen Buchgewinnen profitierten und Inhaber später fällig werdender Verträge den Kürzeren zögen.

Was bedeuten die geplanten Änderungen konkret für meine Lebensversicherung?
Bei bestehenden Verträgen ändert sich nichts an dem von der Versicherung garantierten Zins. Änderungen können sich allerdings bei den sogenannten Überschussbeteiligungen ergeben. Die Neuregelung verpflichtet die Versicherungen, in Zukunft einen höheren Anteil als bisher an den Risikoüberschüssen auszuzahlen. Außerdem werden etwaige hohe Bewertungsreserven bei Staatsanleihen – aus den genannten Gründen – nur
insoweit ausgezahlt, als die Ansprüche der verbleibenden Versicherungskunden nicht gefährdet werden.

Ist es ratsam, eine Lebensversicherung noch schnell vor der Verabschiedung des Gesetzes zu kündigen?
Das muss in jedem Einzelfall geprüft werden. Bei einer Kündigung entfällt die Garantieverzinsung für die verbleibenden Jahre und auch die Beteiligung an den Schlussüberschüssen.Ausschlaggbend sind die Lebenssituation des Versicherungskunden und die konkrete Ausgestaltung des Vertrages. Versicherungskunden sollten sich deshalb vor einer Kündigung an eine Verbraucherberatung oder an ihre Versicherung wenden.

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