Oft werde ich gefragt, was schöner ist: als Arzt zu arbeiten oder als Politiker. Als Arzt kann ich natürlich direkter helfen und habe unmittelbare Erfolge. Aber auch in der Gesundheitspolitik geht es ja um Medizin, „im Großen" sozusagen - denn an den dort getroffenen Entscheidungen hängt die Entwicklung des kompletten Gesundheitssystems. Ein bisschen ärztlicher Sachverstand ist da sicher hilfreich.
Viele der gesundheitspolitischen Entscheidungen der vergangenen Jahre zielten leider weit am Bedarf der Patienten, aber auch der Ärzte und anderer Akteure im Gesundheitssystem vorbei. Als Folge haben laut MLP-Gesundheitsreport 2008 85 Prozent der Ärzte "keinen guten Eindruck" von der derzeitigen Gesundheitspolitik, weite Teile der Ärzteschaft sowie der Gesamtbevölkerung rechnen mit einem Trend zur Zwei-Klassen-Medizin und Mängeln in der Gesundheitsversorgung. Diese Entwicklung liegt mitunter an einem grundsätzlichen Missverständnis der Bundesgesundheitsministerin und weiten Teilen der SPD, die den Gesundheitsbereich möglichst zentral steuern und reglementieren wollen. Im Gegensatz zu dieser „Richtlinienmedizin" setze ich mich für eine Stärkung des individuellen Arzt-Patienten-Verhältnisses ein.
„Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen." Dieses Zitat stammt von Rudolf Virchow. Er lebte im 19. Jahrhundert, war Arzt an der Berliner Charité und Politiker. Er setzte sich für die medizinische Grundvorsorgung der Bevölkerung ein. So war er maßgeblich an der Errichtung der ersten kommunalen Krankenhäuser in Berlin beteiligt. Außerdem setzte er sich dafür ein, dass Berlin um 1870 eine Kanalisation und eine zentrale Trinkwasserversorgung erhielt. Wie Rudolf Virchow möchte auch ich an der Schnittstelle von Politik und Medizin wirken, um einen Beitrag für ein gerechtes, soziales und zukunftsfähiges Gesundheitssystem zu leisten.