Strategie zur Erhöhung der Impfquoten überdenken – finanzielle Anreize schaffen

Anlässlich der 12. Europäischen Impfwoche wird wieder verstärkt über das Thema ‚Impfen‘, deren Quoten, über Verweigerer und vermeidbare Ausbrüche von Infektionskrankheiten berichtet. Seit Jahren werden in Deutschland Strategien mit dem Ziel entworfen, Impflücken zu schließen und Infektionskrankheiten wie Masern auszurotten.

Der Gesetzgeber hat durch verschiedene Regelungen das Impfen so verbindlich wie möglich gestaltet. Aufklärungskampagnen, nicht zuletzt durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, leisten einen enormen Aufwand, um über die präventive Wirksamkeit von Impfungen zu informieren.

Die Bilanz fällt jedoch eher nüchtern aus: Bis einschließlich März dieses Jahres wurden bereits mehr Masern-Erkrankungen registriert als im gesamten Jahr 2016.

 

Im Gegensatz zu den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission waren nicht einmal drei von vier Kindern am Ende ihres zweiten Lebensjahres zweimal gegen Masern geimpft.

Dazu erklärt der Aachener Bundestagsabgeordnete und CDU-Gesundheitspolitiker, Rudolf Henke MdB:

„Die Wirksamkeit von Aufklärungskampagnen sowie der bisherigen Anstrengungen des Gesetzgebers zur Erhöhung der Impfquoten scheint leider begrenzt. Eine vermeintliche Lösung, die in diesem Kontext immer wieder ins Spiel gebracht wird, ist die Einführung einer Impfpflicht, die aus verfassungsrechtlicher Sicht jedoch schwer umsetzbar ist.

Ich halte es deshalb für geboten, Konzepte in den Blick zu nehmen, die auf finanzielle Anreize setzen. Lassen Eltern ihre Kinder empfehlungsgerecht und vollständig impfen, könnte etwa der Steuerfreibetrag für Kinder erhöht oder ein Zuschuss zum Kindergeld gewährt werden. Als Begründung für nicht durchgeführte Impfungen dürfen ausschließlich medizinische Gründe gelten.

Ein Vorbild für derartige Konzepte könnte etwa Australien sein, deren zuständige Behörden auf finanzielle Anreize zur Erhöhung der Impfraten setzen. Obwohl seit über einem Jahrzehnt mehr als 90 Prozent der Kleinkinder in Australien einen umfassenden Impfschutz gemäß den nationalen Impfempfehlungen haben, setzt Australien damit frühzeitig auf Konzepte, um der messbaren Impfmüdigkeit und wachsenden ideologischen Verweigerung entgegenzutreten.“

Hintergrund:

Das Gesundheitsamt (Department of Health) der australischen Regierung setzt in ihrem nationalen Programm zur Immunisierung der Bevölkerung auf ein Konzept der steuerlichen Familienförderung. Von diesem Programm können ausschließlich Familien profitieren, die ihre Kinder gemäß den Empfehlungen der zuständigen Behörden impfen lassen oder einem anerkannten Plan für die Nachholung von Impfungen folgen. Ausnahmeregelungen gelten ausschließlich für medizinisch begründete Fälle.

Für Familien, die ihre Kinder nicht vollständig impfen lassen, kann diese Praxis jährlich mit finanziellen Einbußen von umgerechnet mehreren tausend Euro verbunden sein. Die australische Regierung begründete dieses Vorgehen mit der wissenschaftlich zweifelsfrei belegten Wirksamkeit von Impfungen und den schweren Folgen sinkender Impfquoten.