Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Viel Potenzial und große Herausforderungen

Das Zentrum für soziale Arbeit in Burtscheid ist eine der Jugendhilfeeinrichtungen, die unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Aachen aufnehmen und sie auf ihrem weiterem Weg begleiten. Anfang Januar besuchte der Aachener Bundestagsabgeordnete das Zentrum.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gelten als besonders schutzbedürftig, ihre Situation, ist gekennzeichnet durch ihre rechtliche Schutzlosigkeit auf der Flucht und kinderspezifische Fluchtgründe. Viele der oftmals jugendlichen Flüchtlinge sind seit Jahren auf der Flucht. Seit Jahren lässt sich ein Anstieg der Zugangszahlen von minderjährigen Flüchtlingen, die ohne sorgeberechtigte Personen nach Deutschland einreisen, feststellen.

Neben den bundesweiten Schwerpunkten sind auch in Aachen erheblich steigende Fallzahlen zu beobachten. Insgesamt beheimatet Aachen momentan rund 850 Flüchtlinge, davon sind rund die Hälfte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Täglich erreichen zwischen ein und sechs unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Aachen. Aufgrund noch fehlender Unterbringungsmöglichkeiten im Bereich der Jugendhilfe leben derzeit circa 100 Jugendliche in temporären Unterbringungsmöglichkeiten. Auch in den nächsten Monaten werden weitere Flüchtlinge erwartet- insbesondere aus Syrien, afrikanischen Staaten und Afghanistan.

Der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule ist für die minderjährigen Flüchtlinge in Einrichtungen der Jugendhilfe zuständig. Auf der Grundlage der hohen Zahl unterzubringender Kinder und Jugendlicher greift die Fachverwaltung in Absprache mit dem Ausländeramt der Städteregion nicht nur auf Jugendhilfeeinrichtungen innerhalb des Stadtgebietes, sondern auch innerhalb der Städteregion zu.

Eine der im Stadtgebiet Aachen zuständigen Jugendhilfeeinrichtungen ist das „Zentrum für soziale Arbeit“ in Burtscheid. Seit vier Jahren kümmert sich die Einrichtung mit rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie circa 40 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer auch um aktuell 53 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Im Dezember 2014 hat das Zentrum für soziale Arbeit mobile Wohneinheiten für 20 Jugendliche in Burtscheid eingeweiht. Aus diesem Anlass hat der Aachener Bundestagsabgeordnete Anfang Januar das Zentrum besucht. Unter der Leitung von Cornelia und Udo Wilschewski werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ab vierzehn Jahren im Zentrum zunächst in der sogenannten „Clearinggruppe“ aufgenommen. Hier erhalten sie neben Kleidung und Nahrung auch eine medizinische Untersuchung. Darüber hinaus wird die Form der Jugendhilfe, die die Jugendlichen benötigen sowie ihr Asylstatus eruiert. Um den Jugendlichen eine besonders umfassende Betreuung und Versorgung zukommen zu lassen, arbeiten die Verantwortlichen an Konzepten und kooperieren dabei u.a. mit Verantwortlichen aus der Medizin, der Wirtschaft und Politik. Insbesondere auch die Unsicherheiten im Rahmen des Asylverfahrens machen es den Jugendlichen schwer, ein Gefühl von Sicherheit zu entwickeln.

Da es sich bei der Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Rahmen der Jugendhilfe um eine relativ junge Aufgabe handelt, besteht auch noch großer Handlungsbedarf, um den Jugendlichen und ihren Lebensgeschichten gerecht zu werden. Dennoch betonen Cornelia und Udo Wilschewski, dass es gerade im letzten halben Jahr in Aachen gute Entwicklungen gegeben hat.

Rudolf Henke bedankte sich für den informativen Austausch und will sich auch zukünftig mit dem Thema, das Bund, Länder und Kommunen voraussichtlich auch die nächsten Jahre beschäftigen wird, befassen.