Von Litauen nach Berlin: Meine Zeit im Deutschen Bundestag

Mein Name ist Dzordana Graiceviciute, ich bin 28 Jahre alt, komme aus Litauen und habe am Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) teilgenommen.

Meine Freunde und Bekannten haben sich sehr gewundert, als sie erfahren haben, dass ich mich für ein politisches Stipendium bewerbe. Der Auslöser dieser Reaktion war die Tatsache, dass ich keine Politikwissenschaft studiert habe, sondern Philologie und bis jetzt generell keinen direkten Kontakt zur Politik hatte. Politik scheint, besonders in meinem Heimatland, oft weit entfernt von den Problemen und Bedürfnissen einfacher, besonders junger Menschen. Deswegen halte ich in diesem Zusammenhang das IPS, das sich an junge Menschen aus verschiedenen Ländern richtet, für besonders wichtig.

Meine Vorstellung über Politik war auf jeden Fall völlig anders: Ich habe immer geglaubt, dass nicht der Beruf eine Rolle spielt, sondern wie man sich in der Gesellschaft engagiert bzw. engagieren will. Es geht besonders um das Interesse, eine bessere Zukunft zu sichern, aktiv an Veränderungen teilzunehmen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Mit solch einer Einstellung habe ich mein Praktikum im Büro von Rudolf Henke im Rahmen des IPS angefangen. Die Einstellung war gut, die Vorstellung über Politik aber nicht ganz zutreffend. Offen gestanden, war meine Vorstellung über die politische Welt viel zu naiv. Inwieweit ich mit ihr falsch lag, habe ich während des drei monatigen Praktikums erfahren, in dem ich die die deutsche Politik hautnah beobachtet habe.

Das Erste, was ich im Büro von Rudolf Henke bemerkte, ist, wie erheblich und wichtig die Arbeit der Mitarbeiter ist. Wenn man an einen Abgeordneten denkt, vergisst man, dass hinter ihm ein großes Team steht. Die Büroarbeit folgt präzisen Vorgängen, bei denen jeder eine bestimmte Aufgabe erfüllt. Ich wollte unbedingt zumindest für diese drei Monate ein Teil des Teams werden und nicht nur Beobachter bleiben.

Deswegen freue ich mich sehr, dass ich viele unterschiedliche Aufgaben bekommen habe, z.B. nach einem bestimmten Thema für eine Podiumsdiskussion zu recherchieren, Berichte von unterschiedlichen Terminen zu schreiben, an Sitzungen der Arbeitsgruppen und der Ausschüsse für Gesundheit oder für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung teilzunehmen, Fraktionsveranstaltungen zu besuchen usw. Ich habe mich mit unterschiedlichsten Themen auseinandergesetzt, wie etwa erneuerbare Energien, von denen ich vorher keine Ahnung hatte. Und das ist das Besondere, was die Arbeit im Büro eines Abgeordneten ausmacht: Man muss ständig in fremde Themenbereiche eintauchen.

Noch während meiner Tätigkeit im Berliner Büro habe ich viel über Aachen, seine Bewohner und ihre Probleme gehört. Obwohl ich mich in Aachener Angelegenheiten letztendlich ganz gut auskannte, waren die Stadt und die Menschen für mich immer noch ziemlich weit entfernt. Deswegen hat die Reise in den Wahlkreis, die uns Stipendiaten ermöglicht wurde, im Praktikum eine große Rolle gespielt.

Alle Themen, mit denen ich mich seit vielen Wochen beschäftigt habe, alle Erzählungen über eine besondere Stadt in der Grenzregion, wurden plötzlich real. Zusammen mit Herrn Henke habe ich Aachener Wissenschaftler besucht, was bei mir als ehemalige Akademikerin einen großen Eindruck hinterlassen hat. Wir haben an einer Podiumsdiskussion über das grenzüberschreitende Gesundheitsabkommen ‚IZOM‘ in der Grenzstadt Kelmis in Belgien teilgenommen. Wir haben Soldaten beim Tag der Bundeswehr begrüßt. Alle diese Erfahrungen waren für mich sehr aufregend. Vor allem deswegen, weil ich eine Möglichkeit hatte zu beobachten, wie Herr Henke in seinem Wahlkreis arbeitet.

 

Ich fand es beeindruckend, wie Herr Henke mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt kommt, Themen zu Gesprächen findet, allen gleich aufmerksam zuhört – unabhängig davon, ob du ein Bürgermeister oder ein Student bist. Dabei haben mich seine Haltung und seine Kompetenz besonders fasziniert. Genau dieses Verhalten schafft Vertrauen und baut die Brücken zwischen ihm und Bürgern.

Jeden Tag warteten auf mich neue überraschende Herausforderungen und Faszinationen. Ich habe verstanden, dass die Arbeit in der Politik eher eine Lebensweise und eine bewusste Entscheidung zur Verpflichtung einer Idee ist. Und die Idee besteht darin, die Welt für uns möglichst sicherer und schöner zu machen.

Dafür, dass ich das alles erleben durfte und in das Team aufgenommen wurde, bedanke ich mich sehr herzlich bei dem Büroleiter Hannes Böckler, allen Mitarbeiter sowohl in Berlin als auch in Aachen und natürlich bei Herrn Henke, der mir diese Erfahrung ermöglicht hat. Das werde ich bestimmt nie vergessen!