Vorbeugen ist besser als heilen- Die Bundesabgeordneten Jürgen Hardt und Rudolf Henke besuchen Psyware

Im Rahmen seiner Sommertour 2013 konnte Rudolf Henke das Aachener Unternehmen Psyware GmbH kennenlernen. Jetzt hatte er seinen Bundestagskollegen und ordentliches Mitglied im Verteidigungsausschuss, Jürgen Hardt, im Juni zu einem Besuch nach Aachen eingeladen.

Im Rahmen seiner Sommertour 2013 konnte Rudolf Henke das Aachener Unternehmen Psyware GmbH kennenlernen. Das Unternehmen unter der Geschäftsführung von Dr. Dirk C. Gratzel ist derzeit der weltweit einzige Anbieter der psychosozialen Screening-Technologie „Precire.“ Precire ist eine sprachpsychologische Anwendung, die sich dabei nicht auf die Inhalte der Sprache, sondern auf das Sprachkonstrukt und in der Sprache zum Ausdruck kommende unbewusste Anteile des Sprechenden konzentriert. Beliebige Sprachproben werden hierzu in kleine Informationsbausteine zerlegt und mit einem System von Messpunkten auf linguistische und prosodische Auffälligkeiten der Sprache hin analysiert. Aus diesen Auffälligkeiten werden dann – mosaikartig – psychologische Aussagen über den Sprechenden abgeleitet. Kurz gesagt: Das System leitet die Annahme bestimmter Persönlichkeitsparameter allein daraus ab, wie Personen sprechen oder schreiben, ohne dabei den Inhalt Ihrer Kommunikation zu beachten oder gar zu erkennen.  

Besonders im Gesundheitsbereich soll Precire zur Vorbeugung und Früherkennung psychischer Auffälligkeiten geeignet sein. Psychische Erkrankungen bilden schon heute die dritthäufigste Diagnosegruppe (53 Mio. Krankheitstage in 2012), weisen eine dreifach höhere Krankheitsdauer als Erkrankungen auf (39 zu 13 Tage) und sind verantwortlich für 41 Prozent der Frühverrentungen (aktuell 75.000/Jahr). Im Vergleich zum Jahr 1993 waren es lediglich 15,4 Prozent und verursachen direkte Behandlungskosten von rund 33 Mrd. Euro (2012)- Tendenz: Weiter steigend.       

Schon heute nutzen Krankenkassen sowie Unternehmen die Anwendung im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein niederschwelliges Präventionskonzept zu schaffen. Die Anwendung, so erläuterte Dirk C. Gratzel, berge auch ein großes Potenzial in Hinblick auf psychosoziale Präventionsaspekte. Rudolf Henke hatte sich von der Anwendung „Precire“ im Gesundheitsbereich sehr beeindruckt gezeigt. Jetzt hatte er seinen Bundestagskollegen und ordentliches Mitglied im Verteidigungsausschuss, Jürgen Hardt, im Juni zu einem Besuch nach Aachen eingeladen, damit dieser sich eine eigene Einschätzung über die Perspektiven der Anwendung im Bereich der Gesundheitsfürsorge der Bundeswehr machen konnte.    

Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz sind einer hohen Belastung und traumatischen Situationen ausgesetzt. Eine Studie der Technischen Universität Dresden (2011) belegt, dass 50 Prozent der ca. 1500 befragten ISAF-Soldaten im Einsatz mindestens ein traumatisches Ereignis erleben, 14 Prozent drei oder mehr. Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Bundestag in der letzten Legislaturperiode das Einsatzversorgungs-Verbesserungsgesetz verabschiedet, das die Versorgung der im dienstlichen Einsatz Geschädigten und ihrer Hinterbliebenen maßgeblich verbessert. Im Rahmen dessen konnte ein Paradigmenwechsel zu früheren Praxis erreicht werden, in dem durch Verordnung geregelt wurde, dass unter bestimmten Voraussetzungen widerleglich vermutet wird (Glaubhaftmachung), dass eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder andere psychische Erkrankung während einer besonderen Auslandsverwendung in Ausübung des Dienstes erlitten wurde. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit dem Wehrbeauftragten der Bundeswehr weitere Bausteine im Gesamtkonzept zur Prävention und Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen, wie z.B. das Psychosoziale Netzwerk und eine anonyme Telefon-Hotline, geschaffen.

Als weiterer Baustein zur Vorbeugung und Früherkennung von psychischen Auffälligkeiten könnte zukünftig auch Precire eine Rolle spielen. Die Umsetzung könnte einfach erfolgen: Mit Hilfe eines Smartphones oder dem Internet könnten Soldatinnen und Soldaten anonym über ein Codierungssystem eine kostenlose Servicenummer erhalten, die sie anrufen können. Dann stellt ein anonymes und automatisiertes Anrufsystem dem Anrufer verschiedene (alltägliche) Fragen. Die Antworten hierauf werden mit der Anwendung Precire automatisiert ausgewertet. Anschließend erhält der Nutzer sein Testergebnis in einer leicht verständlichen Aufbereitungsform, verbunden mit einer typologisierten Einordnung in ein einfaches Belastungsschema. Besonders bei Auffälligkeiten können ihm somit direkt anschließende Präventionsangebote gemacht werden. Angeboten werden können beispielsweise Stresskurse, Online-und Telefon-Coaching, persönliche Beratung oder die Teilnahme an Gesundheitstagen.