Wahlcheck Diabetesprävention und -versorgung

I) Patienten und Angehörige

1.1. Neben den allgemeinen Anforderungen an die Diabetesprävention und -versorgung von Menschen sind Themen, wie bspw. Diabetes in der Arbeitswelt oder Diabetes bei Kindern und Jugendlichen, ebenfalls eine wichtige Rolle. Hier sind Menschen mit einem Diabetes Typ 1 und 2 betroffen aber auch Menschen mit einem erhöhten Diabetesrisiko. Erkennen Sie die Relevanz der Volkskrankheit Diabetes an und würden es auf die Agenda der kommenden 19. Legislaturperiode setzen?

Ja   

Durch die Verabschiedung einer Nationalen Diabetesstrategie. In der zu Ende gehenden Legislatur haben die Gesundheitspolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der SPD dafür einen umfassenden Entwurf vorgelegt, der seitens der SPD auf die lange Bank geschoben wurde. Wir müssen Diabetes als eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen mehr Aufmerksamkeit schenken und die Prävention deutlich ausbauen, das wird auch in der kommenden Legislaturperiode auf der Agenda stehen.

1.2. Patientenorganisationen spielen beim Umgang mit Erkrankungen im deutschen Gesundheitssystem eine unverzichtbare Rolle. In der Regel sind diese ehrenamtlich organisiert und leisten für Mitglieder, Betroffene und Angehörige eine ausgesprochen wertvolle Arbeit. Unterstützen Sie die Patientenorganisationen zu Diabetes und stärken dahingehend auch die ehrenamtlichen Strukturen Deutschlands, auf Bundes- Länder- und Kommunaler Ebene? Wäre die Ernennung eines Bundesbeauftragten für Diabetes und Adipositas eine zusätzliche und ergänzende Option?

Nein

Patientenorganisationen sind ein wichtiger Faktor in unserem Gesundheitswesen. Neben der Funktion als Ansprechpartner sind sie durch die Selbsthilfegruppen auch ein starker Partner beim Umgang mit und der Behandlung von Diabetes. Es lohnt sich, diese Strukturen auf allen Ebenen zu stärken. Einen Bundesbeauftragten für Diabetes und Adipositas halte ich nicht für ratsam, weil das Thema damit aus dem Blickwinkel der allgemeinen Gesundheitspolitik herausgerückt und spezialisiert wird.

Die Gesundheitspolitik insgesamt muss aber in der Lage sein, den sogenannten Volkskrankheiten gerecht zu werden. Ich bin guter Zuversicht, dass dies gelingen wird. In der Union jedenfalls schenken wir diesem Bereich große Aufmerksamkeit.

II) Behandlung und Beratung

2.1. Diabetes ist unbestritten eine der größten Volkskrankheiten weltweit, auch in Deutschland. Unterstützen Sie den Ausbau und die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes in Deutschland, insbesondere auch in der Fläche und den Regionen unseres Landes?

Ja    

Die Versorgung von Krankheiten muss generell in der Fläche und in allen Regionen auf hohem Niveau sichergestellt werden. Wir setzen dabei auch auf innovative Formen der Versorgung sowie enger Vernetzung. Ich halte neben der Versorgung die Prävention für entscheidend. Auch sie muss flächendeckend und mit regionalen Ansatzpunkten ausgebaut werden.

2.2. Eine Voraussetzung für zukunftsrobuste, bundesweite Versorgungsstrukturen sind abgestimmte Standards. Zertifizierungen und Zulassungen müssen über alle Versorgungsebenen hinweg vereinheitlicht werden. Der insgesamt steigende Versorgungsbedarf muss durch die aktive Einbeziehung nichtärztlicher Berufsgruppen (z.B. Diabetesberater*innen) und der Selbsthilfe begegnet werden. Werden Sie Maßnahmen ergreifen, um bundesweit einheitliche Versorgungsstandards zu etablieren und auch nichtärztliche Berufsgruppen unterstützen?

Ja

Alle Berufsgruppen müssen entsprechend ihrer Qualifikation und ihrer Kompetenzen zielorientiert und nachhaltig zusammenarbeiten. Die Versorgung muss sich dabei immer am aktuellen Wissensstand orientieren und einen höchstmöglichen Standard garantieren. Dies gewährleisten etwa die Nationalen VersorgungsLeitlinien zu Diabetes, die es je bereits gibt und die sich mit der Therapie, mit Schulungsprogrammen und der Präventions- und Behandlungsstrategien für Fußkomplikationen befassen. Sie richten sich an alle an der Versorgung von Diabetes beteiligten Bereiche. Die Herausforderungen durch Diabetes werden weiter zunehmen, weshalb wir die gängige Praxis immer wieder auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen und optimieren sollten.

2.3. Eine wichtige Bedeutung in der Versorgungslandschaft haben die Apotheken. Insbesondere im ländlichen Raum, aber auch bei besonderen Patientengruppen, z.B. ältere, mehrfach erkrankte Personen, die eine umfassende Beratung bei der Medikamentenabgabe benötigen. Diese Beratungskompetenz gilt es zu nutzen und zu unterstützen. Würden Sie sich für eine Stärkung der Unterstützungs- und Beratungskompetenz von Apotheken einsetzen?

Ja                     

In erster Linie dadurch, dass wir die Apotheken auf dem Land nicht in ihrer Existenz gefährden. Dazu gehört auch das Verbot des Versands mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Die Beratungskompetenz unserer Apothekerinnen und Apothekern ist schon sehr hoch, sie erfüllen ihre Aufgabe vertrauenswürdig und gewissenhaft.

2.4. Trotz Fortschritten werden noch zu viele Amputationen bei Menschen mit Diabetischem Fußsyndrom durchgeführt. 75% der aktuellen Amputationen gelten als unnötig. Als Ursachen werden Verzögerungen bei der Einschaltung von Spezialisten gesehen, sowie Fehlsteuerung durch bessere Honorierung von Amputationen gegenüber dem Erhalt der Gliedmaßen angeschuldigt. Werden Sie Aufmerksamkeitsinitiativen und Änderung der Fehlsteuerung unterstützen?

Nein 

Die Prävention, eine frühestmögliche Diagnose und eine entsprechende Behandlung sind der Schlüssel, um eine Diabeteserkrankung schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Ich unterstütze jede Maßnahme, die dazu führt, Betroffene vor eine Amputation der Gliedmaßen schützen. Die Einbeziehung von Spezialisten muss der Regelfall sein. Medizinisch nicht indizierte Amputationen sind kein Kavaliersdelikt und der Vorwurf der Fehlsteuerung aufgrund einer höheren Honorierung wiegt schwer. Die Ärzteschaft ist dem Wohl der Patienten verpflichtet. Die bewusste Missachtung kann Folgen für die Berufszulassung haben. Deshalb wäre ich mit derartigen Anschuldigungen sehr vorsichtig.

III) Prävention / Verbraucherschutz

3.1. Das Präventionsgesetz wird von vielen Experten*innen und auch von Politiker*innen als „halbherzig“ beschrieben. Werden Sie in der kommenden Legislaturperiode Nachbesserungen mit unterstützen?

Nein

Als Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für das Präventionsgesetz kann ich mich diesem Urteil keineswegs anschließen. Nach mehreren erfolglosen Anläufen in den vorherigen Legislaturperioden haben wir uns auf ein umfassendes Konzept zur Gesundheitsförderung und Prävention verständigt. Das ist erst einmal ein Erfolg, den man nicht als „halbherzig“ abtun kann. Dennoch werde ich immer auf der Seite derjenigen sein, die das Gesetz nur als ein Anfang betrachten und in diesem Bereich noch viel Luft nach oben sehen. In Zukunft muss noch weit mehr in Prävention investiert werden– nicht nur aus finanzieller Sicht.

Es gab neben dem Präventionsgesetz auch andere Gesetze, die zum Ziel hatten, die Prävention zu stärken, das passiert nicht ausschließlich in der Gesundheitspolitik. Auch in Zukunft werde ich mich weiter für die Stärkung der Prävention einsetzen und dafür auch Verbesserungen anregen.

3.2. Wie dargestellt ist Diabetesprävention und -versorgung in Deutschland ein wichtiges Themenfeld und eine gesellschaftspolitische Querschnittsaufgabe. Unterstützen Sie die Konstituierung und Etablierung eines außerparlamentarischen Beratungsgremiums (bspw. eine AG Diabetes) mit Experten*innen aus der bundesweiten Diabetesszene, das am Bundestag oder am Bundesministerium für Gesundheit angesiedelt ist?

Nein

Ich halte es für zweckmäßig, dass immer dann Experten zusammenkommen, wenn es einen Anlass dazu gibt und der Austausch darüber hinaus fortlaufend über die vielen bereits bestehenden Möglichkeiten gefördert wird. Es gibt ja bereits entsprechende Fachgremien, wie die „AG Diabetes mellitus Typ 2: Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln“ die beim Forum Gesundheitsziele Deutschlands gesundheitsziele.de angesiedelt ist. Ich werbe dafür, keine Gremien ins Leben zu rufen, die ein Nebeneinander fördern. Wir brauchen Konzepte aus einem Guss.

3.3. Die Vorstufe zu einen Diabetes Typ 2 im jungen Alter kann eine Fehlernährung mit dem Ergebnis von Adipositas sein. Um dem bereits präventiv gegenüber zu treten, ist eine angemessene und qualitativ hochwertige Aufklärungsarbeit nötig. Unterstützen Sie entsprechende Präventionsprogramme die in den KITAs und Schulen der Bundesländer umgesetzt werden können?

Ja  

Durch entsprechende Bildungsstrategien, die den gesunden Umgang mit Lebensmitteln fördern, damit Kinder schon im jüngsten Alter lernen, was gesund und ungesund ist und wann es sich um übermäßigen und damit ungesunden Konsum handelt. Die Wertschätzung der Lebensmittel und der Ernährung spielt dabei eine große Rolle.

 

3.4. Ein Diabetes Typ 2 ist oftmals das Resultat eines weniger gesunden Lebensstils. Hier sollte die Verbraucherbildung ansetzen – Was bedeuten die Deklarationen auf Lebensmittelpackungen? Wie ernähre ich mich gesund? Wie viel Bewegung sollte ich in den Alltag einbauen? U.v.m. Werden Sie den Verbraucherschutz und die Verbraucherbildung in Deutschland, in der 19. Legislaturperiode, weiter dahingehend stärken und unterstützen? Sind Sie für Ampelkennzeichnungen für Nährwerte auf Lebensmitteln? Sind Sie für eine staatliche Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fetten in Fertigprodukten?

Ja    

Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger so weit wie möglich über ungesunde Inhaltsstoffe aufklären. Das geschieht durch Produktinformationen, die verständlich und schnell zugänglich sind. Da müssen wir mehr von der Industrie verlangen. Zudem halte ich es für unausweichlich, dass wir von der Industrie verlangen, dass sie Nahrungsmittel mit weniger Zucker, Fetten und Salz herstellt. Wenn das nicht in naher Zukunft geschieht, spreche ich mich für die Maßnahme einer erhöhten Steuer für ungesunde Nahrungsmittel aus.
Daneben spielt auch hier die Prävention und die Gesundheitsförderung eine entscheidende Rolle. Die Menschen müssen sich bewusst machen, dass mehr Bewegung und gesündere Ernährung zu mehr Lebensqualität führen.

 

3.5. Die meisten europäischen Länder haben die Forderungen der Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation sowie der EU nach einem Nationalen Diabetesplan bereits umgesetzt, Deutschland nicht. Der Nationale Diabetesplan geht über einen Diabetesbericht hinaus und formuliert eine klare Strategie zum Umgang mit Diabetes, Diabetesprävention und Diabetesversorgung. Dank des Föderalismus haben die Bundesländer allerdings die Möglichkeit bei solchen Vorhaben auch Vorreiter sein zu können! Werden Sie einen Diabetesplan für die Bundesrepublik Deutschland unterstützen?

Ja                  

Wie bereits in der Antwort auf Frage 1 erwähnt, haben die Gesundheitspolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der SPD einen Antrag zum Start der Erarbeitung und Umsetzung einer Nationalen Diabetesstrategie vorgelegt. Bedauerlicherweise hat die SPD dieses Vorhaben ausgebremst. Wir werden dieses Vorhaben auch weiterhin auf der Agenda haben und bei einer erneuten Regierungsbeteiligung ganz sicher einen neuen Anlauf starten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IV) Forschung

 

4.1. Wichtig im Kampf gegen Diabetes ist die Versorgungsforschung. Aber um Aussagen über Prävalenz, Versorgung, Krankheitslast und Komplikationen des Diabetes Typ 1 und Typ 2 treffen zu können bedarf es eines bundesweiten Registers, in dem die Daten der DMP zusammengeführt werden. Außerdem müssen bestehende dezentrale Diabetesregister vernetzt und harmonisiert werden. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass ein bundesweites, epidemiologisch-klinisches Register geschaffen wird?

 

’ Ja -> Wie?                     

Ich unterstütze die Überlegung, das neu eingeführte nationale Diabetes-Überwachungs-System (sog. Diabetes-Surveillance) am RKI weiterzuentwickeln bzw. zu einem bundesweiten Diabetes-Register auszubauen, um Möglichkeiten der Prävention, Behandlung und Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus und dessen Folge- und Begleiterkrankungen zu verbessern.

 

 

4.2. Um den wachsenden Anforderungen der Diabetologie als Querschnittsaufgabe in der Medizin gerecht zu werden, bedarf es neben einer eigenen Facharztausbildung auch einer ständigen aktiven Nachwuchsgewinnung und -förderung. Dazu zählt auch eine qualifizierte Weiterbildung mit verbindlichen Zertifizierungen. Nur mit einer generellen Verbesserung der medizinischen Kompetenz lässt sich die Volkskrankheit Diabetes nachhaltig bekämpfen. Werden Sie diese Positionen aktiv unterstützen?

 

Ja -> Wie?                     

Für die ärztliche Weiterbildung ist nicht die Bundespolitik zuständig. Dennoch werde ich die Fachkraftgewinnung und die Kompetenzerweiterung im Bereich Diabetes durch mein Engagement in der Ärzteschaft weiter fördern.