Wir müssen an den Grundwerten arbeiten - Rudolf Henke besucht Maria im Tann

Zweite Station der Sommertour von Rudolf Henke war das Kinderheim Maria im Tann in Aachen. Für Rudolf Henke war es sein zweiter Besuch bei Maria innerhalb kurzer Zeit, da er im Rahmen der Aktion „72-Stunden“ bereits tatkräftig mitgeholfen hatte, das Kinderheim mit Mal- und Gartenarbeitern zu verschönern. Der Direktor, Stefan Küpper, freute sich sehr über das Wiedersehen und so wurden Herr Henke und sein Team herzlich empfangen.

Im Gespräch mit der Leitung stand diesmal jedoch der inhaltliche Austausch im Vordergrund. Als Mitglied der von der CDU/CSU-geführten Bundesregierung interessierte sich Rudolf Henke besonders für die gesetzlichen Regelungen in der Jugendhilfe. Herr Küppers erklärte anhand der Erfahrung von Maria im Tann, dass die existierenden gesetzlichen Regelungen gut seien, jedoch noch Verbesserungsbedarf bestünde. Besonders die Regelung beim Erreichen der Volljährigkeit, bei dem die Nachweispflicht weiterer sozialpädagogischer Betreuung  beim jungen Erwachsenen liegt, bedarf einer erneuten gesetzlichen Betrachtung. Rudolf Henke zeigte sich dankbar für das ehrliche Feedback: „Meine Motivation für die Sommertour lag auch darin zu erfahren, inwiefern bei bestehenden Regelungen und Gesetzen in der Praxis nach Verbesserungsbedarf besteht. Dieses Beispiel scheint ein wiederkehrendes Problem zu sein, bei dem Handlungsbedarf besteht. Die Tatsache allein, dass Kinder die Volljährigkeit erreichen, macht sie noch nicht zu Erwachsenen. Dies belegen auch die Zahlen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:  In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen leben im Durchschnitt 72 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen im Elternhaus.“

Als weiterer Schwerpunkt stand die Bedeutung von Werten in der Erziehung im Vordergrund. Gemeinsam schauten sich Rudolf Henke und sein Team die, im Rahmen von Dreharbeiten über Maria im Tann entstandene, Dokumentation „Rettungsanker Kinderheim“ an. Besonders blieb Rudolf Henke der Satz eines kleinen Jungen im Film in Erinnerung: „Wenn man kein Vertrauen hat, dann geht irgendwann der Kopf kaputt.“ „Es ist interessant und bewegend zugleich, dass ein so junger Mensch in diesem Alter schon die Erfahrung gemacht hat, wie bedeutsam Werte, die in einer Familie vermittelt werden, für die Entwicklung eines Menschen sind“, so Rudolf Henke. Auch Stefan Küpper betont die Bedeutung von Zuwendung, Förderung und Aufmerksamkeit für die Entwicklung der Kinder: „Neben den gesetzlichen Strukturen muss die Gesellschaft die Wertedebatte intensivieren. Eine verlorene Haltung gegenüber Werten kann nicht durch Gesetze und Regelungen wiedergegeben werden“, so Stefan Küpper. Daraus resultiert auch die wichtigste Aufgabe, die die Heimerziehung bei Maria im Tann zu leisten hat. „Der Aufbau und die Stabilisierung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein ist wahrscheinlichste die wichtigste Aufgabe, die wir zu leisten haben“, betont Küpper.

Das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe ist eine Einrichtung der Jugendhilfe und wurde am 27.03.1945 von der Genossenschaft der „Schwestern vom armen Kinde Jesus“ als Kinderheim gegründet. Zum 01.01.1996 wechselte die Trägerschaft der Einrichtung von der Schwesterngenossenschaft zur Betriebsführungsgesellschaft mbH des „Katholischen Erziehungsverein für die Rheinprovinz e.V.“ mit Sitz in Dormagen. Heute stellt sich „Maria im Tann“ als ein Jugendhilfe–Zentrum dar, das in einem differenzierten Angebot von verschiedenen Betreuungsformen erzieherische Hilfestellungen für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien gibt. Mit derzeit 98 Plätzen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bietet Maria im Tann verschiedene Angebote- von Regelgruppen, über Erziehungsstelle bis zu schulischen Angeboten auf dem Schulgelände.